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Eine Phantasiereise durch den Tierkreis

Widderphase, es ist März

Es ist die Zeit des Aufbruchs in der Natur, überall beginnt es zu grünen, Keimlinge bahnen sich ihren Weg ans Licht. Der Frühling beginnt. Tage und Nächte sind gleich lang, und mit jedem Tag nimmt das Licht zu.
Stell dir vor, ein junges Pflänzchen zu sein, das den Winter als Samenkorn unter der Erde verbracht hat. Mit deinem Kopf stößt du nun gegen das Erdreich. Noch ist es hart und unbeugsam, doch schon bald zieht sich der Frost aus der Erde zurück und sie wird weicher werden. Solange musst du kämpfen. Es ist deine Aufgabe, geboren zu werden, dafür zu sorgen, dass das Leben wieder auf die Erde zurückkehrt. Du hörst nicht auf, gegen das Erdreich über dir zu stoßen, so lange, bis es nachgibt. Du spürst die Kraft des erwachenden Lebens in dir. 

Stierphase, es ist April

Die Erde hat ihre letzte Härte verloren und ist nun weich und durchlässig. Die heranwachsenden Plfanzentriebe verwurzeln sich im Erdreich auf der Suche nach Stabilität.
Stell dir nun vor, dass du eine junge Pflanze bist, die Wurzeln schlägt. Du spürst, wie du dich mehr und mehr mit dem Erdboden verbindest und an Halt und Sicherheit gewinnst. Unter der Erde triffst du auf die Wurzeln anderer Pflanzen und gemeinsam findet ihr noch mehr Halt. Hungrig und durstig ziehst du Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Du spürst wie eine warme wohlschmeckende Flüssigkeit durch deinen Hals in deinen Körper läuft. Dein Hals wird warm und du spürst den erdigen Geschmack guter Nahrung.

Zwillingephase, es ist Mai

Die Pflanzen sind herangewachsen, die frische Luft erwärmt sich. Überall wimmelt es von neuem Leben.
Stell dir nun vor, dass du ein Strauch bist, der sich verzweigt. Du reckst deine Äste in den Wind, der Sonne und dem Himmel entgegen. Spüre in deinen Armen und Schultern wie beweglich du bist, wie du dich ausbreiten und verlängern kannst. Hebe nun ganz langsam deine Arme und lass wie wachsen wie ein Strauch oder ein Baum. Spüre wie du Informationen über deine Äste erhältst. Sie sind wie feine Antennen, die mit ihrer Umgebung kommunizieren. Eine Biene kommt geflogen und setzt sich auf eine deiner Blüten. Sie nimmt Kontakt mit dir auf. Schau, was sie dir sagen will.

Krebsphase, es ist Juni

Der Hochsommer ist eingekehrt, der längste Tag des Jahres läutet die Sommersonnenwende ein. Die Zeit des Wachstums ist vorbei. Von nun an richtet sich die Energie wieder nach innen.
Stell dir vor, ein Strauch zu sein, dessen Blütephase vorüber ist. Du bist von einer Biene bestäubt worden und bist nun damit beschäftigt, Früchte und Samen auszubilden. Spüre die Kraft der inneren Konzentration, die Konzentration auf die innere Lebenskraft in die, auf das Unsichtbare. Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Bauch, auf dein Gefühl. Hier sitzt dein inneres Wissen, deine innere Führung. Wenn du einmal nicht weißt, wie du dich entscheiden sollst, besinne dich auf deinen Bauch. Er wird dir die Antwort sagen. Gibt es etwas, das du jetzt wissen möchtest? Dann horche einen Augenblick in dich hinein, werde ganz still.

Löwephase, es ist Juli

Die Zeit der inneren Konzentration trägt ihre Früchte. Überall prangen sie an den Bäumen und leuchten in den schönsten Farben. Der Weizen glänzt golden in der Sonne. Die Luft ist warm, die Sonne brennt heiß. 
Stell dir nun vor, ein stolzer Baum zu sein, der hoch in den Himmel ragt und seine Früchte golden zur Schau stellt. Wenn ein Kind vorüber geht, beugst du deine vollbepackten Äste ein wenig herab, damit es sich an dir bedienen kann. Großzügig verteilst du deine Schätze. Spür die Freude, die es dir bereitet, deine Erzeugnisse zu verschenken, von Herzen zu geben und dein Licht leuchten zu lassen. Spüre, wie dein Herz sich vor Liebe weitet.

Jungfrauphase, es ist August

Die Zeit der Ernte ist gekommen. Nun darf nichts mehr verschenkt werden, die Fülle neigt sich ihrem Ende, und ein langer Winter steht bevor. Jetzt heißt es arbeiten und haushalten.
Du bist immer noch der Baum, der voller Früchte hängt. Um dich herum wird es nun geschäftig. Überall sind Erntehelfer zugange, die auch die letzte Frucht von deinen Ästen holen. Überall herrscht Fleiß und Sorgfalt vor. Du siehst, wie eingekellert und eingekocht wird, wie die Früchte deines Schaffens sorgsam verarbeitet werden. Spüre in deinen Körper das Zentrum der Verarbeitung, deinen Unterbauch mit deinem Darm. Vielleicht kannst du fühlen, wie er für dich arbeitet, sich bewegt und Verdauungssäfte produziert. Hier ist dein Erntezentrum. Schenke ihm einen Augenblick deine Aufmerksamkeit und deinen Dank für all die Arbeit, die es für dich leistet.

Waagephase, es ist September 

Die Ernte ist vorüber, noch einmal dürfen wir die Leichtigkeit des ausklingenden Sommers feiern. Die Natur zeigt sich von einer ihrer schönsten Seiten – es ist Herbstanfang. Von nun an werden die Tage wieder kürzer.
Stell dir vor, ein prächtiger Baum im goldenen Blätterkleid zu sein, das sich langsam rötlich verfärbt. Du kleidest dich noch einmal in den prächtigsten Farben, erstrahlst im goldenen Sonnenlicht. Deine Schönheit ist weithin sichtbar. Menschen gehen spazieren und schauen dich an, suchen deine Nähe, heben deine Blätter auf. Sie suchen das Gleichgewicht, die Harmonie, die du verstrahlst. Spüre das Zentrum des Gleichgewichts in deinem Körper. Spüre die Harmonie in dir. Auch du hast ein natürliches Kleid, in dessen Glanz du erstrahlen kannst – deine Haut. Sie spiegelt zu jeder Zeit dein inneres Gleichgewicht wieder. Was spiegelt sie dir jetzt, in diesem Augenblick?  

Skorpionphase, es ist Oktober 

Die Natur nimmt Abschied. Es liegt ein Fallen und ein Versinken in der Luft, ein Sog nach unten in die Tiefen der Erde. 
Du bist immer noch der prächtige Baum in seinem Blätterkleid, das nun merklich karger wird. Mit jedem Blatt, das von dir fällt, spürst du den Abschied, den Rückzug in dir. Du weißt, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen, loszulassen, um später wieder neu geboren zu werden. Doch wie jeder Abschied so fällt auch dieser nicht leicht. Du siehst wie dein einstmals schönes Blätterkleid auf dem Boden unter dir liegt und verrottet, sich langsam in Erde verwandelt. Um dich herum wandeln Menschen im Nebel – sie besuchen ihre Ahnen an ihren Grabstätten und gedenken der Verstorbenen und des Todes. Wie du, so spüren auch sie den Tod und das große Loslassen, den Prozess des Ausscheidens alter Schlacken. Besinne dich einen Augenblick auf deine Ausscheidungsorgane, auf die Teile deines Körpers, die dich von Altem und Verbrauchtem befreien.

Schützephase, es ist November

Dies ist die Phase der längsten Nächte. Die Natur liegt brach, die Erde bietet dem Auge nichts. Nun zieht es unseren Blick gen Himmel.
Sieh dich als Baum mit kahlen schwarzen Ästen, die in den blauen Himmel ragen. Am Tag bilden sie einen wunderschönen Kontrast zum Himmel, in der Nacht verschmelzen sie mit seinem Schwarz zu einer Einheit. Zwischen deinen Ästen siehst du nun, da sie ihres Blattwerks ledig sind, die Sterne blinken. Sie verleihen dir Hoffnung und Zuversicht. Auch die Menschen entzünden Lichter in ihren Häusern und ihren Herzen – es ist Advent. Mit großen Schritten streben auch sie zum Himmel, zum Himmlischen, zum Göttlichen. Spür nun die Kraft in deinem Körper, die dich voranträgt, die es auch dir ermöglicht, nach oben zu streben. Spüre die Kraft in deinen Beinen und Oberschenkeln, die dich dorthin tragen, wo du es wünschst.

Steinbockphase, es ist Dezember

Es ist Wintersonnenwende. Im tiefsten Winter, in der Zeit größter Kargheit, Kälte und Entbehrung erscheint ein Licht, das uns zum Durchhalten einlädt. Das Licht des wachsenden Tages.
Du bist immer noch ein Baum mit kahlen schwarzen Ästen, du bist ein Skelett, du bist nackt, du bist auf das Wesentliche reduziert. Dein Stamm und deine Äste, alles, was dir jetzt noch bleibt, ist dein Kern, dein innerer Halt, deine Stabilität. Besinne dich nun auf den Halt in deinem menschlichen Körper – dein Knochengerüst. Selbst in Zeiten großer Sparsamkeit, großer Genügsamkeit, wenn deine Fettreserven schmelzen oder du dich fastend von ihnen befreist, selbst dann bleibt etwas an dir immer noch bestehen, ist von Dauer. Nichts Materielles ist für die Ewigkeit geschaffen, doch gibt es Dinge, die länger Bestand haben als andere. Über diese werden wir uns nun bewusst.

Wassermannphase, es ist Januar

Krachendes Eis. Schlittschuhlaufende Kinder. Skifahren. Gleißende Sonne auf weißem Schnee. Bilder wie aus Glas – hell, transparent und klar.
Du bist immer noch der große Baum und fühlst dich wie ein Teil eines Gemäldes, eines Wintermärchens aus Schnee und Kristall. Kühl, frisch und klar überblickst du das Treiben um dich herum. Du schaust von oben auf die weiße Welt unter dir herab, bist die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Aus deiner Vogelperspektive wirkt die Welt skurril, fast unwirklich, ein bisschen leblos. Vögel sitzen in deinen Ästen und genießen die Aussicht. Die Kraft der Vogelperspektive, der Sprünge nach Oben macht sich bemerkbar. Auch dein menschlicher Körper birgt die Kraft, dich vom Alltag zu entfernen, zu entheben, eine höhere Warte einzunehmen. Deine Waden und deine Sprungelenke verhelfen dir dazu. Sei dir bewusst, dass auch du ein Vogel sein kannst, der hoch über den Dingen leicht und gleitend dahinfliegt. Stell es dir jetzt vor, dieser Vogel zu sein.

Fischephase, es ist Februar

Der Schnee schmilzt, das Eis bricht, das trockene Erdreich öffnet sich langsam für die alles überflutende Kraft des Wassers.
Du bist immer noch der Baum, der in sich schon ein zartes Regen verspürt, eine vibrierende innere Kraft, die ahnt, dass sich ein alter Zyklus schließt und ein neuer beginnt. Noch ist nichts zu sehen, noch wird dein Stamm von Wasser umspült, noch verbirgt sich das Neue hinter den Schleiern und den Wassern der Fruchtbarkeit. Wie ein ungeborenes Baby im Mutterleib fühlst auch du dich. Stell dir vor, ein Ungeborenes zu sein, das gekuschelt im warmen Wasser liegt. Deine Füße berühren fast deinen Kopf, du kannst sie mit deinen Händen berühren, in den Mund nehmen – du bist jung und weich und beweglich. Du bist noch nicht geboren, doch schon bald wirst du dich wieder ins Leben hinausbegeben, schon bald...

(c) 2004 Sabine Bends, Köln

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© 2005 Sabine Bends